Zwei Personen stehen vor dem Wilkommensschild der Kunststoff Messe in Düsseldorf
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K-Messe Düsseldorf

Eine Messe Rund um das Thema „Kunststoff“ !

Warum? Fragst du dich bestimmt. Hättest du mir noch vor drei Monaten gesagt: „Jussi, du wirst dieses Jahr auf der weltgrößten Kunststoffmesse herumlaufen“, dann hätte ich dir den Vogel gezeigt – hehe!

Ich muss auch sagen, dass Jonas und ich sehr skeptisch demgegenüber waren. Ich bin sehr froh, dass er mich bei meinem Business unterstützt und mich begleitet hat. Wie ihr wisst, möchte ich mich selbstständig machen. Was Kunststoffe damit zu tun haben, werdet ihr noch früh genug im Detail erfahren. Zunächst kann ich euch soviel verraten:

Wir möchten etwas gegen die Plastikflut im Ozean tun und damit unseren Beitrag für die Umwelt leisten. Das ganze Thema Plastik und Kunststoffe ist natürlich neu für uns, weshalb wir uns seit Wochen intensiver damit beschäftigen. Mein Ziel ist es, dem Plastikmüll einen neuen Wert zu geben und aus diesem Grund starten wir ein spannendes Upcycling Projekt! Wir sind Feuer und Flamme, wenn es um unser eigenes Business geht 🙂

Was ist die K-Messe überhaupt?

Die K-Messe ist die internationale Fachmesse für Kunststoff, Kautschuk, Kunststoffverarbeitung und Kunststoffherstellung weltweit. Mehr als 3.000 nationale und internationalen Aussteller sind auf der K-Messe in Düsseldorf vertreten. Man findet dort Maschinen und Ausrüstungen, Roh- und Hilfsstoffe sowie Halbzeuge, technische Teile und verstärkte Kunststofferzeugnisse – alles was das Kunststoffherz begehrt.

Dabei findet diese Messe nur alle drei Jahre statt – Schicksal 🙂 Was für ein Glück oder Zufall, dass sie ausgerechnet in diesem Jahr stattfindet. Das passt wie die Faust aufs Auge für unser Projekt! Allerdings haben wir uns nicht viel erhofft, da Ozeanplastik ein ganz spezielles Thema ist. Man mag es kaum glauben, aber Kunststoffe aus den Weltmeeren sind von der Verarbeitung her eine große Herausforderung! Dennoch hatten wir die Hoffnung passende Techniken, Hersteller oder Kontakte über die Recyclingschiene zu finden.

Kunststoffe PUR!

Die global jährlich produzierte Kunststoffmenge ist in den letzten Jahren rasant gestiegen. Das reine Produktionsvolumen von Kunststoffen weltweit hat sich im Vergleich zu 1976 circa versiebenfacht. Laut Statista wurden im Jahr 2017 etwa 350 Millionen Tonnen Plastik produziert – Tendenz steigend. Laut dem deutschen Umweltbundesamt fielen 2013 allein in Deutschland 5,68 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle an.

Let’s face it: Der Großteil der Aussteller, stellen neuen Kunststoff her und sind weniger auf Recycling bedacht. Einfach nur traurig! Wir mussten mit unseren eigenen Augen sehen, wie Verpackungsmüll hergestellt wird – und vor allem in was für einem Tempo! Es war erschreckend! Die Maschinen sind wahnsinnig groß und man mag es kaum glauben, aber die Herstellung von Plastik ist teilweise wirklich ein riiiesen Aufwand. Zum Teil ragten die Maschinen 10m hoch, waren laut und der Geruch ließ zu wünschen übrig. Es war interessant, aber gleichzeitig fühlte es sich nicht richtig an. Wir haben quasi dabei zugeschaut, wie Müll produziert wird… SO SAD!

Wie kann es sein, dass wir 2019 noch so wenig über Recycling wissen und nichts dagegen getan wird?

Viele Hersteller haben mit Circular Economy und Recycling geworben. Sobald wir Sie nach Recycling von Ozeanplastik angesprochen haben, konnte uns keiner helfen. Wusstest du, dass „Recyceltes Plastik“ eigentlich nur die Abfälle aus der Kunststoffindustrie, zum Beispiel Stanzreste sind? Daraus entstehen dann häufig neue Verpackungen. Im Prinzip ist das also auch neuer Kunststoff, der als recycelt verkauft wird. Guter Schwindel! Hier ist ein Interessanter Artikel dazu: „Verpackungen aus recyceltem Kunststoff – Alles Schwindel“.

Wir haben viele Unternehmen angesprochen. Teilweise haben die Recycling Firmen gesagt: „Nein, wir können euch nicht helfen, wir brauchen nicht noch mehr Müll.“ – WOW! Danke für nichts. Traurig und fast schon frech. Wir waren für manche Unternehmen als Start Up einfach nicht Ihre Zeit wert.

Insbesondere hat mich der gesamte Entwicklungsstand zum Thema Recycling schwer enttäuscht. Mein Eindruck: Es ging bei dieser Messe nur darum schneller und besser zu produzieren – Geld, Geld, Geld… Zeit und Qualität. Koste es was es wolle – Koste es unsere Umwelt!?

Neuer Trend: Alles Bio?

Die Bio-Plastik Stände wurden überrannt. Das scheint ein richtiger Trend zu sein. Kurze Info hierzu: Bio-Plastik wird aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt (Mais-Stärke z.B.). Gleichzeitig kann Bio aber auch bedeuten, dass der Kunststoff biologisch abgebaut werden kann. Verwirrt? Jup. Me too!

Das eine impliziert das andere leider nicht. Lass dich also nicht verarschen: Bio-Plastik heißt nicht gleich umweltfreundlich und nachhaltig. Wir als Verbraucher müssen besonders darauf achten, was auf der Verpackung gekennzeichnet ist. Steht auf der Tüte „biologisch abbaubar“, bezieht sich das ausschließlich auf die Abbaubarkeit und nicht auf die Herkunft der Rohstofffe. Steht „Biokunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen“ oder ähnliches auf der Verpackung, heißt dies nicht, dass die Tüte biologisch abbaubar ist. Es ist damit noch nicht einmal sichergestellt, dass die Tüte aus 100 Prozent nachwachsenden Rostoffen besteht. Please be aware!

=> Deshalb lieber ganz auf die Verpackung verzichten, denn Bio-Plastik ist auch keine Lösung. Zumindest in meinen Augen.

Hoffnungsträger

Genug zu den Schattenseiten der Plastikindustrie. Wir haben auch einige kleine Lichtblicke zu berichten 🙂 Zwischen all den großen Unternehmen und Maschinen, tauchte ein ganz kleiner Stand mit einem jungen Mann aus Malaysia auf. Ich dachte ich lese nicht richtig: Alles aus Ozeanplastik? No way! Fast wären wir daran vorbeigelaufen, so klein hatte er sich aufgestellt. Wir sprachen kurz mit ihm – sehr gebrochenes English – und haben einige Proben (Plastik Granulat) mitgenommen. Ob wir damit was anfangen können, weiß ich noch nicht. Ich war aber so glücklich über unseren Fund 🙂

Ein weiterer Stand hat uns einen neuen Kontakt vermittelt, der sich mit der Verarbeitung von Ozenplastik beschäftigt. Vielleicht wird daraus ja noch was für mein Business – Wer weiß! Ich halte dich auf dem Laufenden.

Am Ende des Tages – als unsere Füße schon dampften – hatten wir Glück. Da wir ein Start Up sind und nicht Unmengen an Kunststoff verarbeiten, sind die normalen Maschinen viiiel zu groß. Dennoch sind wir an einem Hersteller vorbei gekommen, der sehr kleine Geräte hatte. Als wir denen von unserer Ucycling-Idee erzählten fanden sie es so cool, dass sie uns Ausstellungsstücke vergünstigt anboten. Super nett!

Fazit

Ob sich die Messe für unsere Upcycling-Idee gelohnt hat? Schwierige Frage – Das wird sich im Laufe der nächsten Wochen wohl herausstellen. Je nachdem wie gut uns die Kontakte weiterhelfen können 🙂 Auf jeden Fall hat es mich in meiner Idee bestärkt – dass das, was wir vorhaben auf jeden Fall der richtige Weg ist.

Ich bin ehrlich gesagt fassungslos. Die Industrie hat Augenklappen auf und macht fröhlich weiter – ohne Rücksicht auf unsere Mutter Erde. Solange Recycling nicht profitabel genug ist, wird munter weiter produziert und die Müllberge wachsen. Viel schlimmer noch: Die Verbraucher werden mit Bio-Plastik und „recyceltem“ Plastik (die Stanzreste) getäuscht.

Ich gebe die Hoffnung nicht auf! Wir werden gemeinsam mit vielen aktiven Menschen und Partnern einen Weg finden das Ozeanplastik zu verarbeiten und damit die Reinigung der Ozeane zu fördern. Das ist mein Traum und ich bin mir sicher, das wir es schaffen!

Wenn du Interesse hast bei der Idee mitzuwirken, dann schreibe mir hier 🙂 Wir können jegliches Know-How gut gebrauchen.

Authentic, Active and passionate! I love to spend time outside, especially with my lovely dog Barney. I try to eat healthy, stay healthy and live healthy - I try my best :-)

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